Wen kümmert es schon, ob du erwachst? Der Erleuchtung ist es egal, ob du sie erreichst. Das, was erwachen kann ist immer schon erwacht – sonst wird nichts erwachen.

Es beginnt eigentlich erst dann. Vorher gab es viel Versuche, zu leben und das Leben darin zu suchen, übermäßig viele Anstrengungen zu unternehmen. „Das Erwachen braucht uns nicht, aber wir brauchen das Erwachen“ könnte man sagen. Das soll bedeuten, alles ist immer schon wie es immer war, im zustandslosen Zustand des Erwacht-Seins. Wo sollte das Sein sich sonst aufhalten, welche entlegenen Winkel des Universums sollte es wohl sonst aufsuchen. Das Sein ist immer da, und wir sind es. Du bist es, du warst es zu keiner Zeit nicht. Es ist alles immer schon da, alles, was ES sein kann. Ich bin ES, obwohl ich es nicht bin. Doch ES ist ich, als ich. Das Universum ist es selber als ich, als Du, als Er, als der Fisch im Wasser und der in der Pfanne. Niemals war etwas anderes, als DAS.

Wieso wir auf die Suche gehen, liegt in unserer Natur. Das Leben selber erlebt sich im Zustand des Suchers, des Suchens, desjenigen, der immer das will, was gerade nicht ist. Es gibt also keine Chance, es zu ändern und niemanden, der es ändern könnte. Weil da kein Jemand ist und auch kein Niemand, der seine eigene Abwesenheit wahrnehmen könnte. Deshalb ist es auch nicht richtig zu sagen, dass wir nichts tun können. Es ist vielmehr so, dass da niemand ist, der „etwas“ oder „nichts“ tun könnte. Nichts zu tun, bedeutet auch etwas. Weder das eine noch das andere, aber nicht der mittlere Weg, wie er im Buddhismus beschrieben wird. Gehen wir also davon aus, dass nichts getan werden kann, bedeutet das keineswegs, die Hände in den Schoß zu legen. Wenn Tat geschieht, dann tun wir, was nahe liegt, wenn keine Tat zu vollbringen ist, dann tun wir nicht(s). Weder Tun noch Nicht-Tun und zugleich sowohl Tun als auch Nicht-Tun sind der Weg der nicht gegangen wird; es ist mehr diese Art von Weg, wie wir eine Art zu sein beschreiben würden. Die Gedanken folgen sich selber, es braucht und gibt niemanden, der Herr oder Besitzer der Gedanken wäre. Der Verstand und der Gedanke sind identisch und finden sich manifestiert als Denken selber wieder. Wenn gedacht wird, dann ist „Denken“, alles, was es in diesem Moment gibt. Es ist immer nur alles, was es gibt. Nicht einmal der Moment ist real, weil sich sonst zwischen dem Denken und dem Moment etwas dazwischen schieben könnte. Doch diese Vorstellung ist selber nur ein Gedanke, der sich als wiederum neues und einzigartiges Sein zeigt. Da ist weder ein Ende dieses Denkens noch jemals ein Anfang des Denkens.

Des Menschen ganzer Stolz scheint sein Denken zu sein. Sich vorzustellen, das Leben, wie es einst sein könnte, sich vorab auszudenken, sich eine Vorstellung davon zu machen, um es dann irgendwann in der Zeit – die nicht existiert – zu verwirklichen. Zu verwirklichen zu etwas, das selber keinen Bestand mehr hat, wenn es dann verwirklicht wurde. Denn wenn ich sage, dass ich etwas verwirklichen möchte – die Betonung liegt auf möchte – dann befinde ich mich ausschließlich in Gedanken, denn dieser Gedanke ist in dem Moment alles, was es da ist. Und wenn ich mir Vorstellungen über einen gewünschten Zustand mache, der in Zukunft eintreten sollte, dann ist wiederum alles, was es in diesem Moment gibt, dass ich mir Gedanken um ein zukünftiges Ereignis mache. Ich sehe, dass ich am Ende niemals irgendwo ankomme. Dieses Ankommen ist eine Illusion, ebenso, wie die Vergangenheit eine Illusion ist, die nur in der Gegenwart in Form einer Erinnerung an etwas, dass anscheinend geschehen ist, in/als (meinem) Bewusstsein auftaucht.

Was also existiert dann überhaupt?
Nichts und alles!

Nichts und alles, weil „alles“ existiert, was wir uns vorstellen (als Vorstellung) und „nichts“, weil es keine eigene, unabhängige Existenz von irgendetwas gibt. Nichts ist unabhängig, doch alles ist frei in dieser Nicht-Unabhängigkeit. Das Einzelne, das Individuelle betrachtet, gibt es Abhängigkeit von scheinbar anderen Individuen oder Lebensumständen. Wenn wir jedoch als das Leben selber funktionieren, gesehen, dann sind beide Begriffe ad Absurdum geführt. Nur in unserem kleinen Verstand, der nur ein Gedanke und in diesem Moment stattfindet, läuft das ab, was wir unser und das Leben andere nennen. Der Verstand kann nicht sehen, dass er ein Teil dessen ist, das er selber erklären und worüber er die Herrschaft haben möchte – wie absurd.

Wir können entspannen und einfach genießen, können vertrauen, weil alles, was zu existieren scheint, nur das ist, was schon immer hier und jetzt war. Das ist alles – das ist, was es ist. Es gibt nichts mehr darüber zu sagen. Alles, was ist, ist.

Dann kommt wieder der Verstand, der sagt, aber dann muss ich ja nichts mehr tun.
Das ist richtig, noch ist es nicht richtig. Es geschieht einfach, was geschieht. Vielleicht geschieht es, dass jemand denkt, er könnte jetzt nichts mehr tun. Dann ist genau dies, was geschieht. Wenn jemand beginnt, große Veränderungen in der Welt in Gang zu setzen, dann ist auch das nur, was geschieht. Man könnte sagen, es geschieht niemals etwas und man kann sagen es geschieht immer etwas. Auch diese beiden Aussagen widersprechen sich überhaupt nicht. Es sind eben nur zwei mit dem Denken gemachte Aussagen über ein nicht zu begreifendes Sein, dessen eigenes Phänomen es ist. Das Denken ist ein Phänomen des Abwesenden, des ewig Unsichtbaren, es ist sozusagen nur eine Erscheinung innerhalb von DEM.

Du bist so sehr das, dass du es selber nicht sehen kannst. Du wirst es auch niemals wirklich sehen können. So, wie die Augen sich selber nicht erblicken können und die Nase sich nicht selber riechen kann. Es zu erklären, heißt, es zu verfehlen. Doch warum so viele Worte darüber verlieren. Aber wer verliert denn Worte und worüber? Es geschieht nur Klang und es scheint dem Klang zu gefallen, sich zuzuhören und dabei in sich selber zu verschwinden. Es ist, wie es der Wunsch des Apfels ist, zu reifen, somit es auch der Wunsch gewisser, anscheinender Personen, Worte über unsagbar interessante Dinge zu verlieren. Alles, was gesagt wird, ist nicht wichtig, aber es kann gewiss interessant sein für niemanden.

Persönliche Transformation beschreibt sowohl einen Prozess innerhalb der Zeit, als auch die unmittelbare Erfahrung, dass wir immer schon transformiert sind.

Aus Sicht unseres momentanen, an die Zeit gebundenen Ich-Gefühls würde eine Transformation heißen, sich von einem „Etwas“ in eine anderes „Etwas“ zu verwandeln, wobei uns beide Formen als weiterhin als Erfahrungshintergrund erhalten blieben. Wir beobachten sozusagen von einer neutralen Beobachtersicht, ohne von der Verwandlung selber berührt zu werden. Was aber wäre dann verwandelt worden? Nun, diese Art, Verwandlung würde die alltäglichen Aspekte und Gewohnheiten unseres täglichen Lebens betreffen. Zum Beispiel unser Aussehen, unser Verhalten, die Lebensgewohnheiten wie Essen, Bewegung, Schlafen und Lernen. Allerdings ist da immer noch jemand da, der diese Verwandlung beobachten und vor allem beurteilen will. Der Beobachter und sein gewohnheitsmäßiges Muster des Verhaltens wäre dann von dieser Verwandlung nicht betroffen. Aber kann ich von einer Transformation sprechen, wenn ich nicht zu einem anderen werde? Oder kann ich nur von einer sprechen, wenn gerade das nicht passiert? Wann also geschieht wirkliche Transformation?

Es geht hier bei den Erklärungen lediglich um die Entdeckung eines offenbaren Geheimnisses. Es gilt, zu entdecken, dass wir uns zwar von einer Raupe in einen Schmetterling verwandeln, doch niemals etwas anderes gewesen sind, als dieser Schmetterling. So werde ich also nicht zu etwas anderem, doch bleibt nach einer vollkommenen nichts mehr von mir übrig. Nichts, das ich zuvor als „Ich“ bezeichnet habe. Wie aber kann das sein? Wir können es unserem Verstand nicht klar machen. Dabei wird jedoch das ich nicht, wie bei einer herkömmlich verstandenen Veränderung, gegen ein anderes Ich ausgetauscht, stattdessen wird entdeckt, dass Transformation bedeutet, in eine komplett andere Form (Form steht hier stellvertretend für alle Phänomene) verwandelt zu werden. Und fortan leben wir in einem Zustand, wie wir immer schon gemeint waren. Dies meint, wenn ich sage, dass wir schon immer der Schmetterling waren, zu dem wir jetzt scheinbar geworden sind.

Und so ist – um bei diesem Beispiel zu bleiben – der Schmetterling das, was er schon immer war, auch als er noch als Puppe oder Raupe erschien. Nur mit einem Unterschied: zuvor hat er sich als Raupe oder Puppe identifiziert ohne zu wissen, dass er eigentlich ein Schmetterling ist. Doch niemals, zu keiner Zeit war er etwas anderes, als das Offenbare Geheimnis des Schmetterlings. Er war jedoch niemals eine Biene, die zu einem Schmetterling geworden wäre. Dies ist der Unterschied zwischen Veränderung und Transformation.

Diese Ausführung betrifft natürlich zuerst und vorrangig die von mir erwähnte zeitliche Dimension der Transformation. Als Nicht-zeitlich bezeichne ich die Tatsache, dass Schmetterling und Raupe niemals voneinander zu trennen sind. Und so verhält es ich mit Leben und Tod ebenfalls. Das Paradoxe jedoch ist, dass es sich den Parametern von Zeit entzieht. Deshalb möchte ich gerne in meinen Ausführungen noch einen Schritt weiter gehen. Transformation ist das, was wir in Wirklichkeit sind. Aus einer entwicklungshistorischen Sicht könnte man es auch Evolution nennen – allerdings hier mit Einschränkung, da sich die Evolutionstheoretiker den Passus der Fortentwicklung auf die Fahne geschrieben haben.

Während Transformation lediglich Entfaltung meint, Entfaltung von dem, nicht zu dem, was wir immer schon sind. Zu keiner Zeit gibt es etwas, das wir mehr oder weniger wären, als irgend etwas anderes. Und einer der unnachhaltigsten Aspekte in dem ganzen Spiel ist das, was wir Ich nennen. Jede Identifikation mit mir als Person, als dieser oder jener Körper oder dieser oder jener Geist ist darin eine unhaltbare These. In diesem sich ständig verwandelndem Urgrund bewegen wir uns ständig mit, tanzen auf den „Schwingen des Augenblicks“ und versuchen dabei ständig einen Blick von unserem Ich zu erhaschen. Es ist gerade dieses Erhaschen-Wollen, das unser Leid erzeugt. Dieses ständige hinter dem letzten Augenblick Herlaufen hält uns in den eigenen Klauen fest. Ja, es klaut uns das, was wir in Wahrheit sind: das sich in ständigem Wandel befindliche Selbst.

Nun, dieses Selbst zu suchen, würde uns wieder in die Irre führen, weil jegliche Suche, also die geistige Regung, die woanders hinschaut, um zu sein, uns sofort wieder aus dem Zustand des Glücks hinausführt. Wenn wir erkannt haben, dass wir ein Selbst sind, dann werden wir feststellen, dass wir nirgends zu finden sind. Wir erleben uns – bzw. da ist Erleben – ohne uns jedoch definieren zu müssen. Es besteht nicht mehr die Notwendigkeit, nach dem zu suchen, dass wir anscheinend sind. Jedes Suchen bedeutet, sich zu entfernen. Indem wir suchen, bewegen wir uns von uns selbst weg (natürlich findet auch das nur als Erleben statt, niemals in Wirklichkeit). Wir sind das Suchende und das Gesuchte zugleich – wir sind, was wir suchen.