Alle Erwachten, alle Lebewesen sind nichts als der Eine Geist, neben dem nichts anderes existiert. Dieser Geist, der ohne Anfang ist, ist ungeboren und unzerstörbar. Er ist weder grün noch gelb, hat weder Form noch Erscheinung. Er gehört nicht zu der Kategorie von Dingen, die existieren oder nicht-existieren. Auch kann man nicht in Ausdrücken wie alt oder neu von ihm denken. Er ist weder lang noch kurz, weder groß noch klein, denn er überschreitet alle Grenzen, Maße, Namen, Zeichen und Vergleiche. Du siehst ihn stets vor dir, doch sobald du über ihn nachdenkst, verfällst du dem Irrtum. Er gleicht der unbegrenzten Leere, die weder zu ergründen noch zu bemessen ist.
Der Eine Geist allein ist Befreiung, und es gibt keinen Unterschied zwischen Erwachten und sog. Nicht-Erwachten, nur dass diese an Formen festhalten und im Außen die Befreiung suchen. Durch eben dieses Suchen aber verlieren sie sie. Denn sie benutzen den Geist, um den Geist zu erfassen. Doch in Wirklichkeit kann niemals ein Jemand erwachen. Selbst wenn sie ein Äon lang ihr Äußerstes leisten würden, sie könnten die Befreiung doch nicht erreichen. Sie wissen nicht, dass ihnen in dem Augenblick, in dem sie das begriffliche Denken loslassen und ihre Unruhe vergessen, Befreiung “da” ist; denn dieser Geist ist “Alles-was-es-gibt”, und das ist alles, was alle Lebewesen sind. Der Eine Geist ist nicht kleiner, wenn er sich in gewöhnlichen Dingen, noch größer, wenn er sich als Erwachter manifestiert. Wenn Erwachen geschieht, wird gesehen, dass niemand da ist oder war, der erwachen kann.
Freie Übersetzung aus: Der Geist des Zen – Die Lehre des Huang-Po
Quelle: J. Blofeld (Hrsg.)