Persönliche Transformation beschreibt sowohl einen Prozess innerhalb der Zeit, als auch die unmittelbare Erfahrung, dass wir immer schon transformiert sind.
Aus Sicht unseres momentanen, an die Zeit gebundenen Ich-Gefühls würde eine Transformation heißen, sich von einem „Etwas“ in eine anderes „Etwas“ zu verwandeln, wobei uns beide Formen als weiterhin als Erfahrungshintergrund erhalten blieben. Wir beobachten sozusagen von einer neutralen Beobachtersicht, ohne von der Verwandlung selber berührt zu werden. Was aber wäre dann verwandelt worden? Nun, diese Art, Verwandlung würde die alltäglichen Aspekte und Gewohnheiten unseres täglichen Lebens betreffen. Zum Beispiel unser Aussehen, unser Verhalten, die Lebensgewohnheiten wie Essen, Bewegung, Schlafen und Lernen. Allerdings ist da immer noch jemand da, der diese Verwandlung beobachten und vor allem beurteilen will. Der Beobachter und sein gewohnheitsmäßiges Muster des Verhaltens wäre dann von dieser Verwandlung nicht betroffen. Aber kann ich von einer Transformation sprechen, wenn ich nicht zu einem anderen werde? Oder kann ich nur von einer sprechen, wenn gerade das nicht passiert? Wann also geschieht wirkliche Transformation?
Es geht hier bei den Erklärungen lediglich um die Entdeckung eines offenbaren Geheimnisses. Es gilt, zu entdecken, dass wir uns zwar von einer Raupe in einen Schmetterling verwandeln, doch niemals etwas anderes gewesen sind, als dieser Schmetterling. So werde ich also nicht zu etwas anderem, doch bleibt nach einer vollkommenen nichts mehr von mir übrig. Nichts, das ich zuvor als „Ich“ bezeichnet habe. Wie aber kann das sein? Wir können es unserem Verstand nicht klar machen. Dabei wird jedoch das ich nicht, wie bei einer herkömmlich verstandenen Veränderung, gegen ein anderes Ich ausgetauscht, stattdessen wird entdeckt, dass Transformation bedeutet, in eine komplett andere Form (Form steht hier stellvertretend für alle Phänomene) verwandelt zu werden. Und fortan leben wir in einem Zustand, wie wir immer schon gemeint waren. Dies meint, wenn ich sage, dass wir schon immer der Schmetterling waren, zu dem wir jetzt scheinbar geworden sind.
Und so ist – um bei diesem Beispiel zu bleiben – der Schmetterling das, was er schon immer war, auch als er noch als Puppe oder Raupe erschien. Nur mit einem Unterschied: zuvor hat er sich als Raupe oder Puppe identifiziert ohne zu wissen, dass er eigentlich ein Schmetterling ist. Doch niemals, zu keiner Zeit war er etwas anderes, als das Offenbare Geheimnis des Schmetterlings. Er war jedoch niemals eine Biene, die zu einem Schmetterling geworden wäre. Dies ist der Unterschied zwischen Veränderung und Transformation.
Diese Ausführung betrifft natürlich zuerst und vorrangig die von mir erwähnte zeitliche Dimension der Transformation. Als Nicht-zeitlich bezeichne ich die Tatsache, dass Schmetterling und Raupe niemals voneinander zu trennen sind. Und so verhält es ich mit Leben und Tod ebenfalls. Das Paradoxe jedoch ist, dass es sich den Parametern von Zeit entzieht. Deshalb möchte ich gerne in meinen Ausführungen noch einen Schritt weiter gehen. Transformation ist das, was wir in Wirklichkeit sind. Aus einer entwicklungshistorischen Sicht könnte man es auch Evolution nennen – allerdings hier mit Einschränkung, da sich die Evolutionstheoretiker den Passus der Fortentwicklung auf die Fahne geschrieben haben.
Während Transformation lediglich Entfaltung meint, Entfaltung von dem, nicht zu dem, was wir immer schon sind. Zu keiner Zeit gibt es etwas, das wir mehr oder weniger wären, als irgend etwas anderes. Und einer der unnachhaltigsten Aspekte in dem ganzen Spiel ist das, was wir Ich nennen. Jede Identifikation mit mir als Person, als dieser oder jener Körper oder dieser oder jener Geist ist darin eine unhaltbare These. In diesem sich ständig verwandelndem Urgrund bewegen wir uns ständig mit, tanzen auf den „Schwingen des Augenblicks“ und versuchen dabei ständig einen Blick von unserem Ich zu erhaschen. Es ist gerade dieses Erhaschen-Wollen, das unser Leid erzeugt. Dieses ständige hinter dem letzten Augenblick Herlaufen hält uns in den eigenen Klauen fest. Ja, es klaut uns das, was wir in Wahrheit sind: das sich in ständigem Wandel befindliche Selbst.
Nun, dieses Selbst zu suchen, würde uns wieder in die Irre führen, weil jegliche Suche, also die geistige Regung, die woanders hinschaut, um zu sein, uns sofort wieder aus dem Zustand des Glücks hinausführt. Wenn wir erkannt haben, dass wir ein Selbst sind, dann werden wir feststellen, dass wir nirgends zu finden sind. Wir erleben uns – bzw. da ist Erleben – ohne uns jedoch definieren zu müssen. Es besteht nicht mehr die Notwendigkeit, nach dem zu suchen, dass wir anscheinend sind. Jedes Suchen bedeutet, sich zu entfernen. Indem wir suchen, bewegen wir uns von uns selbst weg (natürlich findet auch das nur als Erleben statt, niemals in Wirklichkeit). Wir sind das Suchende und das Gesuchte zugleich – wir sind, was wir suchen.