Dez 312011
 

Der Tod ist dann, wenn du nicht (präsent) bist. Der Tod in Gedanken, beschreibt ein Ende, das dich zu betreffen scheint, doch wer ist derjenige, der stirbt und wer derjenige, der den Tod erfährt?

Kannst du wirklich ohne den Gedanken auskommen, dass es den Tod nicht gibt und er dich niemals ereilen wird, oder willst du dich nur vom Eigentlichen abwenden aus angst, dass auch du zu den Auserwählten gehörst?

leben-todWenn du ehrlich zu dir bist, dann wirst du niemanden entdecken, der dich von dir und deinem Tod befreien kann – weder von deiner Angst vor dem Tod, noch von deiner Angst, vor dem Versagen im Leben.

Alles Leben fließt aus dem heraus, was am ehestes mit Tod bezeichnet werden könnte – das Nicht-Existierende. Doch da das Nicht-Existierende ja nicht existiert, kann es auch nicht erfahren oder erfasst werden. Nur sein können wir es, nur sein!

Wer kann wirklich wissen, was es bedeutet zu leben? Der, der lebt. Wer kann wirklich wissen, was es bedeutet, zu sterben? Der, der stirbt.

Wenn derjenige, der stirbt und derjenige, der das Sterben wahrnimmt, der Gleiche sind, wie kann dann Sterben existieren? Nur im Sein, das du bist!

Wenn es ein Sterben gibt, dann scheint es immer dann stattzufinden, wenn der Beobachter nicht anwesend ist, oder wenn das Objekt der Beobachtung (das Sterbende) in einer anderen Perspektive zu existieren scheint, als der Beobachter.

Wenn Tod die Abwesenheit von Leben bedeuten soll, wie um Gottes Willen, haben wir dann dies herausgefunden? Ist der Tod und das Leben nicht Beides, nur ein simpler Trick des Seins, Spannung zu erzeugen? Oder existiert nicht einmal das Sein? Und was bedeutet es überhaupt, zu sein?

Welche Fragen kannst du stellen, die noch genug Stärke und Kraft besitzen, einer Untersuchung wie dieser standzuhalten?

Lass einmal deinen Körper, deine Geschichte, die Zeit, deine Eltern, den Morgen und den Abend, die unterschiedlichen Jahreszeiten, die Schulzeit, die Ferien mit deinen Eltern, deine Kindheitserlebnisse, deine Geschenke, alles beiseite und …sieh.

Sieh einmal das was da ist, als das was da ist und betrachte es, als ob es das letzte Mal und das erste Mal ist, dass du es wahrnehmen kannst und konntest. Wo existieren jetzt Zukunft, wo Vergangenheit und wo die Gegenwart, in der dein Körper existiert?

Tod ist, was nicht ist. Gedanken über etwas, die nicht repräsentieren, was jetzt ist und die uns in das Nicht-Existierende zu führen scheinen und uns damit vom “So-wie-es-ist” wegführen, sind Tod. Wenn ein (angenommenes) Etwas als “nicht mehr lebend” bezeichnet wird, bekommt es die Eigenschaft “tot”. Was ist nötig, nicht “tot” zu sein?

Gerd

 Dezember 31, 2011  Life, Nichtsein, Sein No Responses »
Dez 312011
 

Erwachen ist zig Male geschehen. Es ist nicht nur einmal geschehen, nein immer und immer wieder, in kleinen Etappen, in großen Schritten, je nach dem, wo ich mich gerade befand. Es hing immer irgendwie von meinem gerade gegenwärtigen Geisteszustand ob, oder aber von der Umgebung, in der ich mich gerade befaErwachennd. Ich meine, es ist nicht so sehr geschehen, dass ich mir Datum und Tag oder sogar das Jahr gemerkt hätte, es kam einfach so über mich und hinterließ jedes Mal eine tiefe Freude in mir. Doch es war niemals so, als hätte ich Erwachen erfahren, so anmaßend war ich dann doch nicht. Es geschah schon in meiner frühen Kindheit, ich weiß es, weil ich immer nur nach einer Sache gesucht habe – Gott. Obwohl ich nicht zu beschreiben vermag, wie sich dieses Gefühl oder die Suche selber spürbar und erfahrbar gemacht hatten, weiß ich dennoch, dass es sich bei mir um die einzige wahre Suche gehandelt haben muss, die Suche nach Gott oder dem Höchsten, wenn man es so nennen möchte. Ich konnte als Kind einfach nicht begreifen, was hinter all DEM steckt. Und so kam, was immer kommt, ich wurde ein Suchender. Immer und stets, kann man sagen, war ich innerlich auf der Suche nach dem, was hinter all dem steckt. Ich war jedoch nicht von einer Neugier, die dem Leben seinen Drive fasziniert, es war eher so etwas, wie Verzweiflung, da ich erkannte, dass ich, wenn ich Es nicht finden würde, niemals glücklich sein könnte in Zukunft. Aus meiner Sicht war das Leben eher ei-ne Qual, als ein Genuss. Immer war ich mit der Frage nach dem Sinn hinter den Dingen beschäftigt. Es kam soweit, dass ich weder in der Schule noch zuhause imstande war, mich auf eine Sache zu konzentrieren. Und obwohl ich nicht wusste, was ich da tat, so ist mir zumindest heute bekannt, dass es die sehnsuchtsvolle Suche nach der Wahrheit war, die mich antrieb. Wenngleich sie mich auch nirgends anders hintrieb, als in oftmals tiefe Grübeleien. Aber dennoch: ich habe gewusst, dass es mehr geben musste, als das übliche Auge aufzunehmen vermochte. Ich konnte sagen, dass ich es wusste und gleichzeitig nicht wusste, wie „offensichtlich“ alles für mich war. Das, was ich zu suchen glaubte, musste hier direkt vor mir liegen, es konnte unmöglich nicht vor mir liegen. Immer wieder kamen mir solche Bilder, dass Gott nicht da oben hausen musste, sondern direkt hier, ja direkt in dem, was hier ist. Ich wusste, Gott war alles und in allem, er war niemals getrennt von mir und ich war niemals getrennt von ihm. Es gab ein Verständnis, das sehr, sehr subtil und feiner, wie Seidenpapier schien. All meine Bemühungen, es zu finden, schlugen fehl, und so kam ich zu dem Schluss, dass es vielleicht doch da draußen sein müsse und das war der Beginn meiner Suche, es war die Geburt des Suchers. Es begann das Leben des Suchers. Dieser Suche war im weiteren Lauf seines Lebens jedoch niemals bereit große Schwierigkeiten auf sich zu nehmen, um es auch zu finden. Immer begleitet von dem stillen Wissen, dass es eben doch nicht dort draußen sein konnte.

Die häufigen Male, in denen Erwachen passierte, kamen viel, viel später in mein Leben. Und es ist hier auch nicht wichtig, wie oft und wodurch sie ausgelöst wurden. Und obwohl sie sich in ihrer Dauer und Art sehr zu unterscheiden schienen, kann ich doch von einem im innersten Kern identischen Erleben sprechen. Es war immer so, dass ich zurückblieb – ja, an das, was zurückblieb kann ich mich am besten erinnern – in einer Freude, die mich umgab und mir zu verstehen gab, dass es weder irgendetwas zu fürchten, noch, etwas weiteres zu erfahren oder zu erleben gäbe, dass DEM je gleichzusetzen wäre. Es war ein Gefühl und zugleich war es nur ein pures, immerwährendes Wissen, wie wirklich “OK“ jetzt alles war. Das Universum schrumpfte auf meine Größe und zugleich wurde ich größer als ein Universum – ja, ich war das Universum und es war ich. Das Universum wurde zu dem, was ich bin. Getaucht in tiefes, friedliches Sein und ei-ner Bereitschaft, “ES“ so zu lieben, wie es ist, immer war und sein wird. Zugleich war da niemand mehr von Bedeutung, der all dies erfuhr. Es war kein “Ich“ mehr da, dass dieses erfuhr, es erfuhr sich selber. Dennoch gab es kein goldenes Licht oder ein Gefühl körperlicher Ekstase, das dies begeleitet hätte, nein, es schien beinahe nüchtern und ohne jeden Schnörkel einfach da zu sein, um zu sagen: „Es ist vo-bei, es war immer schon vorbei, nichts hat es je anders gewollt, als so. Es ist so, und darüber hinaus ist nichts, nur so, nur das.“ Es schien mich zu umgeben, ganz in sich aufzunehmen – ich war gleichzeitig erfüllt von ihm und auch war es erfüllt von mir. Da war keine Trennung, kein jemand, der etwas zu erfahren schien, obwohl alles unendliche Erfahrung war. Eigentlich gab es nur Erfahrung, alles wurde zu wahrnehmender Erfahrung ohne Wahrnehmenden – da war nur Wahrnehmen ohne Wahrgenommenes. Das war das höchste Wissen, ein Wissen, das nicht zu wissen brauchte, weil es nichts zu wissen gab.

Alle meine Erfahrungen, die ich gemacht hatte, hatten dieselbe Wirkung auf mich, auf mich, den es gar nicht gab und der er auch keine Erfahrungen gemacht hatte – und schon gar nicht aus eigenem Anlass -, sie ließen eine tiefes „Einverstanden sein“ in mir zurück. Rückblickend haben jene Erfahrungen einfach den Wert von Erfahrungen. Und Erfahrungen sind so, wie der Finger der auf den Mond zeigt – sie sind nicht DAS. Auch diese Erkenntnis entstammt aus eben diesen Erfahrungen, die nicht der Mond selber sind. Aber was wären wir manchmal ohne Finger? Nun denn, alles. Doch alleine die Erinnerung an sie, die Erfahrungen der Einheit, vermag zum Absoluten zurückzuführen. Etwa so, wie jemand, der an die duftenden Blumen des Frühlings denkt und dem unmittelbar ihre Schönheit klar wird, ja, dem sie vor Augen tritt, so werden die Erinnerungen an DAS zu einer Art Wissen, das einfach immer da ist – es ist das Wis-sen das niemals endet und niemals begonnen hat.

Ich habe im Laufe der Jahre herausgefunden, dass das Leben einfacher wird, doch nicht unbedingt leichter. Zumindest ist das bei mir nicht der Fall. Immer noch nervt es, wenn unbezahlte Rechnungen ins Haus flattern, die Bank wieder Ärger macht mit dem überzogenen Konto und die Partnerin zum x-ten Male an mir herumnörgelt. Natürlich habe ich auch gedacht, es würde einfacher, dass eine Art ewiger Schwebezustand erreicht würde und einen die so genannten äußeren Dinge und Angelegenheiten nicht mehr bekümmern würden. Nein, es schien mir eher umgekehrt abzulaufen, so dass die Dinge noch praller und verwickelter wurden. Das war zumindest am Anfang noch sehr stark der Fall, und es schien eine Art Reinigung stattzufinden.

Nein, wirklich, das Leben wird einfach, doch nicht unbedingt leichter. Ich meine, es kann leichter werden, sicher eher, als zuvor, doch hier müssen wir hier aufpassen: ein “Zuvor”, wie wir es uns vielleicht vorstellen, hat es niemals gegeben, und auch ein „Danach“ gibt es nicht. Das sind alles illusionäre Konzepte des Verstandes, ES einfangen zu wollen. Und Erwachen geschieht immer wieder neu: jetzt.

 Dezember 31, 2011  Life No Responses »
Dez 312011
 

When you are in your life, live it here and now, because it’s the only time and place that exists at all. Love your life, love all that you know, all that you can perceive and all that is surrounding you. Appearently you are surrounded by nature, by other people, by problems, by the weather, and by so many other things you believe in. So, what do I mean by “Love”?

By love I don’t mean that you have to love your spouse, your car, your husband, your house and all the things that might be so beautiful in life, nor do I not. By love I mean that you agree to be here and now, and that you can see that there is no other time and place to go than here and now, anyway. To love means to be here and now without any other excuses, without any doubt but with your presence which knows that it has no other place and time, but here and now. Not even having a choice to make: that is real freedom, peace, and thus love. But even though, you can say that you love all that surrounds you, all times and centuries, each and every person you meet, all the wonderful plants and flowers, animals and even the buildings and the cities you live in, and last but not least the pure nature. You might also admire some famous persons, arts and movies, that appear in your life – all that is fine. But understand this: This is all worth to think of, because you are that which is seen, admired, loved, choosen and enjoyed – all there is is all there is, and THAT IS YOU.

TheFieldIn this YOU, you can set goals for your life that come true, can plan the future by figuring it out, earn a lot of money and spend time to reach that goal. But look at this: There is no real future nor is there a past, there is no space in which you can move on, nor is there no space and no time. They are all concepts and pictures in the mind. The future doesen’t really exist because there is no point of which you can say that it exists. When you search for a position or a spot in the future, there will be only now, only now in your present experience – nothing else. The same is when you go back into the past (I mean you can’t), there is also no point that marks it, nor is there a line that leads to future or past. It is just a concept, really. Time and space only exist in the mind – and the mind itself is space and time. So what is the substance? …. no substance!! Just consiousness.

So, let’s go a step further if possible. The only thing (not even a thing) with time that may exist is a “function” with two different directions. First: towards that which might be going to happen in a future and second: that which seemed to be happened already (in the past). Therefore, there are only directions in which our awareness or attention is pointed to. So, the future and the past are only directions of the “mind-not-willing” to be present.

So, when you get that, you will also lose the present because there is no present. A present which is discribed is not present any longer, and so you can say, that, to have no present, you have no mind either. And that which is left is just this – and that is WHAT YOU ARE.

It’s the same understanding with space. When you move your body from one point to another, you imagined yourself to be at a different place before you had moved there. But, by just being “that”, you feel and see no difference, because of losing your mind the moment you move. That what you might feel and see anyway is a different environment, different landscape, different people, different buildings and so on and on and on…

…But this is all noticed by the little observer, called “me” or “I” or an objectifed subject, which is called a person with a body.

And after all, this is all wonderful and there is no reason left to reject all this. And yet: this is what is called the “illusion” or “Maya” in Hinduism. Maya in its function means that “I am” but there is no one to find anywhere at any time, nor has anyone ever been existing.

Gerd

 Dezember 31, 2011  Life No Responses »
 

Etwas kühler als sonst ist heute die Luft, einfach besser zu ertragen. Ich sitze im Café, habe mich etwas zurückgezogen nach dem ich mein ayurvedisches Mittagessen genossen habe – endlich mal wieder eine warme Mahlzeit, nachdem ich nunmehr seit nahezu zwei Wochen von Rohkost lebe, die mir nebenbei bemerkt sehr gut bekommt. Heute bin ich in seltsamer Art und Weise erfüllt von eigenen Sein. Ich erinnere mich an eine Schilderung in Suzanne Segal’s Buch “Kollision mit der Unendlichkleit” wo sie durch Landschaften fährt und dabei feststellt, dass sie eigentlich durch sich selber zu fahren scheint. Das erinnert mich an ein eigenes Erlebnis, dass ich vor einem Jahr hatte und das ich als „ein Gehen durch mich selbst“ bezeichnete. Es war am 28. März 2003, mitten in der Nacht, ich musste aufstehen, um zur Toilette zu gehen. Während ich durch den langen Korridor unserer Wohnung ging, bemerkte ich, dass ich mich nicht durch die Wohnung, sondern durch mich selber bewegte. Am nächsten Morgen schrieb ich in meinen elektronischen Kalender folgende Worte:

“In dieser Nacht wurde ich wach mit dem Bewusstsein, dass nichts wirklich existiert. Zunächst war ich ängstlich, aber dann – heutemorgen – ist es wie eine Befreiung vom Leid des Denkens.“

Ich will jetzt meine Gedanken ändern, will sie einordnen und weiß nicht einmal, ob es überhaupt meine Gedanken sind, die ich da denke. Ich möchte gerne glauben, dass es meine Gedanken wären, die ja so wertvollen Gedanken, die doch soviel zu sagen wissen. Ja, ich nehme mich wichtig, aber auch das ist lediglich Gedanke, und zwar jener, von dem ich keinesfalls weiß, zu wem oder was er gehört.

Kann ich die Gedanken einfach auf sich selber wirken lassen, ihnen weniger Aufmerksamkeit schenken, ohne sie gleich abweisen zu müssen? Vielleicht ist oder wird es mög-lich, ich weiß es nicht genau. Ich werde sowieso nie etwas wissen, außer dem, was mit dem Verstand zusammen hängt und daher nur Wissen innerhalb des Verstandes ist. Es ist alles nur eine endlose Beschäftigung mit dem Nicht-Verstehen dessen, was abläuft. Kann sein, ich täusche mich, doch wer ist da, das zu bestimmen. Ich werde nicht in Verzweiflung darüber enden, weil ich wissen will und doch nicht verstehe. Da ist einfach dieses Wissen, nichts zu wissen und das schon seit der Kindheit. Ja, ich habe schon als Kind von diesem Nicht-Wissen gewusst, und doch war da niemals ein Verstehen gegenwärtig. Was also soll all die Fragerei? Was soll ich anfangen mit dem Wissen nichts zu wissen? Und wer überhaupt kann es haben? Also ertappe ich mich wieder und wieder dabei, diese unsinnigen Fragen zu stellen und auch noch aufzuschreiben. Was versuche ich damit bloß zu erreichen? Ist es einfach die Faszination, der Wahrheit doch niemals auf die Spur kommen zu können? Wieso eigentlich gibt es immer wieder den Begriff der Wahrheit, ist er etwa mit „Wirklichkeit“ nicht angemessen übersetzt? Ich meine die Wirklichkeit, die jetzt stattfindet, braucht doch niemals so etwas wie die Wahrheit. Wahrheit scheint mir ein Begriff zu sein, der auf etwas hinweisen will, auf etwas, das hinter all den Dingen steht, was den Dingen und Geschehnissen sozu-sagen eine Seinsberechtigung geben will – welch ein Unsinn. Wahrheit kann nur sein, was ist, und das einzige, was ist, ist Wirklichkeit. Alles, was über diese Wirklichkeit hinausgeht, ist Spekulation des Verstandes. Somit scheinen mir Wahrheit und Wirklichkeit ein und dasselbe zu sein.

Es gibt eine Wirkung dessen, was ist. Jedoch ist es keine Wirkung, der eine Ursache vorausgegangen wäre, es ist einfach nur diese Wirkung. Das, was hinter dieser Wirkung steht, das was die Essenz ist, ist selber diese Wirkung. Es ist das, was ich, du, er, sie, es, ihr ist, bin, bist, seid.

In dem zu sein, einfach nicht woanders sein zu können, das ist es. Dies zu erkennen bedeutet, es zu sein. Man möchte meinen, es noch intensiver sein zu können, doch es geht nicht mehr. Nichts geht mehr, du kannst dem nichts hinzufügen. Du möchtest es manchmal, weil du so voller Freude über das Leben bist. Weil du so tief in dir spürst, dass es DAS ist und immer war. In jedem Schmetterling, der sich auf eine Apfelblüte setzt ebenso, wie das schmierige Öl, das von der Wand tropft, das jemand vergessen hat abzuwischen. Das niedrigste Tal ist der höchste Gipfel, das Einsame wird offen und laut, niemand kann seine Ruhe stören. Niemand da, der stört. Wenn du erkennst, wie alles das EINE ist, auch wenn es nicht ein Ding ist, dann besteht Freiheit nicht mehr darin, es anderen Recht zu machen, noch andere zu begrenzen oder zu beurteilen – ein Urteilen wird zu einem unmöglichen Unternehmen und lächerlich. Un doch: sich lächerlich zu machen wird zum höchsten Glück, ebenso wie einen Sieg zu erringen. Was für einen Unterschied kann ich finden? Wie sollte ich je fähig sein, das da abzuweisen und mich komplexen Gedanken über das Leben hinzugeben? Nichts davon ist mehr wahr, alles verliert seine Bedeutung und hat sich von dem, was DU zu sein schienst, verabschiedet. Es ist ein Abschied für immer, einer, der nicht bereut wird. Wohin könnte ich es schon verabschieden? An welchen Ort könnte es gehen? Es gibt keinen anderen Ort, als diesen hier. Aber nicht mal dieser hier ist in Wirklichkeit ein Ort. Ein Ort setzt einen zweiten, einen davon davon verschiedenen voraus. Doch wo sollte ein solcher anderer Ort existieren?

Wir können dem Sein nicht die Lektionen vorschreiben, die es vergibt. Keine davon ist persönlicher Natur. Es gibt nichts Persönliches, sondern nur die ewige in sich selbst vollendete Stille des Gewahrseins. Dies ist es selbst, was Buddha oder Gott, Höchste Wahrheit, Erleuchtung oder der Eine Geist ist. Alles ist in sich selber enthalten und besteht ohne jegliche Lokalisation oder Substanz. Es ist in einem Tautropfen, als Sonnenuntergangin befindet es sich in einer Pfütze, oder lässt den Motor eines Autos aufheulen.

…die Ruhe in einem Kloster ist lauter, als die 6th Avenue in New York. Der Vogel lernt gerade erst fliegen und die Kuh gibt keine Milch. Gebäude stürzen ein, bevor sie gebaut werden, der Rasenmäher wird vom Gras gemäht und der Gärtner lässt den Rasen stehen bevor er zu lang wird. Jeder Text entbehrt der Sprache, die er auszudrücken beabsich-tigt. Alle Reime kehren in den Unlaut zurück. Niemals wurde ein Wort gesprochen, noch hat jemals einer aufgehört zu reden. Die Klänge gehen hinaus in die Stille, um sich in ihr aufzulösen, aus der sie einst kamen.

Diese Gedanken scheinen jeder Logik zu entbehren und sie tun es auch. Logik ist nur im Verstand und alles, was vom Verstand beschrieben, erforscht und erkannt werden kann ist selber Verstand. Das Sein liegt jenseits davon, und doch ist es genau vor unseren Füssen und lächelt uns auf halber Höhe zu. Der Verstand liebt das Statische, das Unbewegliche, obwohl er selber den ganzen Tag beschäftigt ist mit Tun, Ausdenken und Planen. Ja, er plant den Stillstand, plant das Ende des Leidens, will das vollkommene Glück voraussehen und das möglichst für immer. Das ist das Paradoxe am Verstand, dass er einerseits ständig in Bewegung ist und auf der anderen Seite aber Sicherheit, Verlässlichkeit, Stillstand will. Er verbindet mit diesen Eigenschaften eben einen auf immer und ewig sicheren Zustand. Er will die Ewigkeit für den Körper, will, dass der Körper hundert und mehr Jahre alt wird. Doch alt sein will er nicht – der Verstand, der sich ja selbstverständlich mit dem Körper identifiziert. In dem Wunsch ewig hier zu sein verbirgt sich paradoxerweise die Sehnsucht nach dem Höchsten, dem Wahren, oder, wenn man so will, nach Gott. Der Verstand glaubt, dass Gott ebenfalls, so wie er selber, das perfekte Bild von Ewigkeit im Körper oder in sonst einem Ding sei. Wenn also alles so gemacht wird, dass die Dinge von Dauer sind, dann glaubt der Verstand, er habe sich dem Göttlichen etwas genähert. Doch im Gegenteil: Gott ist eben gerade genau das Gegenteil, oder besser gesagt, jenseits von beidem. Gott ist eben dieses (für den Verstand) Vergängliche, dass immer in Veränderung Befindliche. Und darin ist ER ewig, unendlich und unsterblich, niemals geboren oder gestorben. Und genau das bist DU SELBST. Dass ist das einzige Selbst, was du bist, alle anderen so genannten Selbste sind Erfindungen des Verstandes.

Alles im Leben befindet sich in ständigem Auflösen, nichts wird jemals fertig gestellt, noch hat jemals etwas begonnen. Es hat niemals seine fertige Form gegeben, und keine ist das Resultat von irgendeiner Ursache. Das zu wissen, wirklich, wirklich, wirklich zu wissen, ist das unendliche Verstehen. Dieses Verstehen ist jedoch niemals persönlich. Die Wirklichkeit wird vom Persönlichen nicht berührt, sie kann ohne das Persönliche auskommen.

Der Begriff Erleuchtung wird immer wieder vom Persönlichen abgekoppelt, weil es niemanden mehr geben könne, wenn Erleuchtung eingetreten ist. Doch scheint mir der Begriff immer noch auf etwas hinzuweisen, was an eine Person gebunden ist. Fragen wir uns, ob das Wahre, die Höchste Wirklichkeit so etwas, wie Erleuchtung braucht. Wenn das Verstehen eingetreten ist, bedeutet es, dass nur noch die Wahrheit anwesend ist. Und die war schon immer anwesend, nur mit dem Unterschied des Verstehens. Wenn ich das Verstehen also Erleuchtung nenne, dann scheint Erleuchtung immer auf eine Person zuzutreffen. Nur, dass sie sich nicht mehr identifiziert mit einer Person – es wird erkannt, das eine solche niemals gegeben hat.

Bern, August 2004, Gerd

 Dezember 31, 2011  Life No Responses »